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Biodiversität und Mikroben
 
 

umg.info 2002

Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung

Biodiversität und Mikroben
Neue Forschungsstrategien notwendig

Die Diskussion um aussterbende Spezies wird nach Ansicht von Lord May, Präsident der Royal Society, der britischen Akademie der Wissenschaften, und John Lawton, CEO des Natural Environment Research Council nur über große Tiere wie Säuger und Vögel geführt. Die genauere Erforschung von Mikroben und Kleintieren, die den eigentlichen Ablauf der Erde wesentlich mitbestimmen, fehle hingegen.
Ein Grund für die hohe Rate und die Geschwindigkeit aus- sterbender Spezies ist zweifellos das Wachstum der Bevölkerung", so Lord May. "Die meisten Anstrengungen, Tiere vor dem Aussterben zu bewahren, gehen eben in Richtung Säuger, wie zum Beispiel dem Panda, der wahrscheinlich ohnehin zum Aussterben verurteilt ist", meint der Wissen- schaftler, der auch heftig kritisiert, dass immer noch zu wenig über die Tierarten des blauen Planeten bekannt ist. "Wir wissen nicht, wieviel Tierarten die Erde bewohnen. Wenn auch die unbekannten Arten so schnell aussterben wie die uns bekannten, stehen wir vor einer Ausrottung, die tausend Mal schneller vor sich geht als jede zuvor bekannte". Bisher sind rund 1,7 bis 1,8 Mio. Spezies bekannt. Der Forscher kritisiert, dass es nichts gebe, das einem "globalen Buch des Lebens" gleichkomme. "Wir verbrennen die Bücher in unserer bio- logischen Bibliothek schneller als wir sie lesen können", so Lord May.
Das fehlende Wissen erstreckt sich nach Ansicht von Lawton aber gerade auf jene Lebewesen, die die wichtigsten Prozesse des Lebens auf der Erde steuern. Nematoden, Faden-Würmer, die nur knapp einen Millimeter groß sind, produzieren jene Nahrung, die für das Pflanzenwachstum unerlässlich ist. "Wir wissen aber nicht, wie viele dieser Lebewesen es tatsächlich gibt", so Lawton (pte).