Zur Startseite
 

 


Wissenschaftler zitieren oft schlampig
 
 

umg.info 2002

Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung

Wissenschaftler zitieren oft schlampig
Literaturliste lang aber kaum gelesen

Eine Statistik entlarvt Forscher als schlampige Berichterstatter. Demnach würden sie bei ihren wissenschaftlichen Publi-
kationen Kollegen, auf deren Arbeit ihre Ergebnisse basieren, in der Literaturliste zwar angeben, die Originalarbeit aber kaum lesen. Diese Entdeckung machten die Forscher Vwani Roychowdhury und Mikhail Simkin von der University of California/Los Angeles im Zuge einer Untersuchung, wie sich Informationen über verschieden Netzwerke ausbreitet.
In einer Zitat-Datenbank stellte das Forscherduo fest, dass beim Zitieren häufig Druckfehler auftraten und diese meistens identisch waren. Dies legte nahe, dass viele Wissenschaftler eine "Abkürzung" vornehmen, also die Literaturreferenz-
angabe von einer anderen wissenschaftlichen Arbeit (Paper) kopieren und den Quelltext nicht lesen. Simkin und Roychowdhury gingen darauf hin der Frage nach, wie häufig derartige Abkürzungen sind und untersuchten eine 1973 veröffentlichte Arbeit. Wie sich herausstellte, wurde das Paper 4.300 Mal in anderen wissenschaftlichen Arbeiten zitiert. Unter diesen 4.300 Verweisen waren 196 fehlerhafte Zitate. Prinzip-
iell wären unsagbar viele von Fehlern möglich gewesen, aber es waren lediglich 45 verschiedene.
 
Der populärste Fehler erschien sogar 78 Mal, berichtet das Fachblatt New Scientist. Es scheint demnach so zu sein, dass 45 Wissenschaftler den Artikel tatsächlich gelesen haben. Beim Zitieren machten sie Fehler und 151 andere Wissenschaftler übernahmen diese Fehler. Demnach haben laut den US-
Detektiven bis zu 77 Prozent der Forscher die Originalarbeit nicht gelesen.
 
Paper im Web unter:
http://www.arxiv.org/ftp/cond-mat/papers/0212/
0212043.pdf
(pte).