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Pflanzenschutzmittel und Feuchtgebiete
 
 

umg.info 2006

Aktuelles aus Wisssenschaft und Forschung

Pflanzenschutzmittel und Feuchtgebiete
Schadwirkung von Pestiziden wurde bislang möglicherweise unterschätzt

Die Wirkung von Pestiziden auf die Umwelt könnte gemäß einer Studie von Relyea (2005) schlimmer sein als bisher ange- nommen: Nach Angaben des Autors tötet ein häufig ver- wendetes Herbizid auch Kaulquappen von Fröschen.
In einem simulierten Ökosystem wurde die Wirkung üblicher Konzentrationen des Herbizids Roundup® auf Amphibien getestet. „Das Schockierende dabei war, dass Roundup®, das zur Bekämpfung von Pflanzen entwickelt wurde, tödlich für Amphibien ist“, meint Rick Relyea von der University of Pitts- burgh in Pennsylvania. Drei von fünf getesteten Froscharten starben. Roundup® ist das zweithäufigste Pflanzenschutz- mittel in den USA und findet breite Anwendung in Gärten, landwirtschaftlichen Nutzflächen und Wäldern. Allerdings ist nur wenig über die Auswirkungen des Pestizids auf natürliche Lebensgemeinschaften bekannt.
Relyea simulierte Feuchtgebietsökosysteme, indem er Plank- ton, Pflanzen und Tiere aus Feuchtgebieten im Nordwesten von Pennsylvania sammelte und in einem 1000 Liter Behälter in natürlichen Dichten aussetzte. Unter den Tieren waren Schnecken, Salamander, Kaulquappen von fünf Amphibien- arten, Käfer und Libellenlarven. Diese Ökosystemmodelle wurden mit zwei Insektiziden (Carbaryl und Malathion) und zwei Herbiziden (2,4-D und Roundup®) mit den von den Herstellern empfohlenen Höchstdosen getestet. Dabei wirkte Roundup® nicht nur auf Algen, sondern auch auf Kaulquappen tödlich.
In einer Stellungnahme des Herstellers Monsanto wird klar- gestellt, dass das untersuchte Herbizid speziell für terrest- rische Ökosysteme entwickelt wurde. Zudem seien in der Studie zu hohe Mengen verwendet worden. Relyea entgegnet, dass das Herbizid beim Versprühen meist unabsichtlich in aquatische Ökosysteme gelange. Die verwendete Roundup® Konzentration in seiner Studie entspreche den in anderen Untersuchungen geschätzten Maximalwerten in natürlichen Feuchtgebieten nach Ausbringung auf benachbarten Flächen. Selbst ein Drittel der Menge Roundup® wirkte immer noch tödlich auf zwei Fünftel der Amphibien.
Diese Studie unterstreicht, dass der Rückgang einiger Amphibienarten in Zusammenhang mit dem Einsatz von landwirtschaftlichen Pestiziden gesehen werden muss (umg).
 
Relyea, R.A. (2005): The impact of insecticides and herbicides on the biodiversity and productivity of aquatic communites. Ecological Applications 15, pp. 618-627. Zit. In: Common Herbicide Lethal to Wetland Species. Conservation In Practice, Vol. 6, No. 3, July-September 2005, pp. 11-12.